Viele Menschen leben in Mietwohnungen ohne dabei mit ihren Nachbarn in Kontakt zu kommen. Gerade Städter leben oft in der Anonymität und gehen auch als Mietende eher nicht aktiv auf ihre Nachbarn zu. Dabei könnte man so viel voneinander profitieren! Und bestimmt würde sich mancheine:r über ein paar nette Kontakte in der Nachbarschaft freuen. Meine Vermutung ist, dass es bei vielen daran scheitert, den ersten Schritt zu machen und die Leute direkt anzusprechen. Man möchte ja niemanden stören… Am Beispiel der Liegenschaft mit ca. 60 Mietparteien, welche ich in Zürich bewohne, hat sich gezeigt, dass ein Whatsapp-Gruppenchat innerhalb der Bewohnerschaft grossen Anklang fand. Dieser entstand zu Beginn der Covid-Pandemie, als einer der Bewohner eine entsprechende Anzeige im Lift platzierte. Es zeigte sich, dass viele eigentlich offen und gerne bereit wären, mit ihren Nachbarn zu kommunizieren. Seither ist dieser Chat mehr oder weniger regelmässig aktiv mit aktuell 26 Teilnehmenden. Solch ein Chat hat aber natürlich seine Grenzen. Vor allem ist er immer noch sehr anonym.
Hier setzt meine Idee an: Ich erschaffe eine soziale Plattform für die Vernetzung der Bewohnern einer Liegenschaft. Denn ich ahne das Potenzial einer App, welche die Leute dazu ermuntert, sich vermehrt zu exponieren und miteinander auszutauschen. So soll der Alltag in den Liegenschaften lebendiger werden und schlussendlich auch den Verwaltungen den Vorteil bringen, dass es weniger Mieterwechsel gibt. Meine bisherigen Recherchen ergaben, dass diverse bereits existierende digitale Lösungen von Seite der Immobilienverwaltungen vor allem auf die Kommunikation zwischen sich und den einzelnen Mieterparteien abzielen. Hier grenzt sich meine Idee klar ab: Die App soll in erster Linie der Kommunikation der Mieter untereinander dienen.
Mein digitales Produkt wird eine Mobile App sein, welche ich als HiFi-Prototyp in FIGMA designen werde. Sie wird auf der Website in Form von exportierten Screens und Videos abgebildet werden. Ebenfalls auf dieser Website werde ich das Projekt dokumentieren.
Die wichtigsten Apps habe ich untenstehend aufgelistet. Meine Erkenntnis aus der Analyse ist, dass es einige Anbieter für Community-Apps im Business-Bereich gibt (Teams, Slack, Beekeeper, etc.). Daneben gibt es Anbieter für einzelne Funktionen welche ich in meiner App plane. Sharely zum Beispiel ist führend im Bereich Mieten/Vermieten von Gegenständen. Pumpipumpe sticht mit einem interessanten Ansatz heraus, indem sie ein Tool anbieten, um mit anderen in Kontakt zu kommen. Dabei geht es vordergründig um das (Aus-)leihen von Gegenständen rund um den Hausrat. Allthings ist schlussendlich die App, welche am nächsten an meine Idee herankommt: Eine modulare Whitelabel-App mit Features für die Kommunikation zwischen der Liegenschaftsverwaltung und den Mietern als auch für die Mieter unter sich (mehr zur Allthings App im Interview mit Sandra B von Regimo AG).
Meine Hypothesen:
Vorgehen:
Anzahl Teilnehmende: 17
Datum: 21.–27.April 2022
Tool: Typform
Kanal: Instagram, an alle Mietenden unter meinen Followern
Hier wollte ich erfahren, wie es generell um das Verhältnis der Mieter zur Nachbarschaft steht, ob und welche Rolle die Verwaltung dabei spielt und wie gross das Bedürfnis bei den Mietern ist, sich innerhalb der Nachbarschaft zu sozialisieren.
Ergebnisse/Erkenntnisse:
Anzahl Teilnehmende: 13
Datum: 19.–22.April 2022
Tool: Typform
Kanal: Whatsapp-Gruppe der WestSide-Überbauung in Zürich (Kreis5)
Hier musste ich den Katalog zusätzlich noch auf englisch aufsetzen, um den hier wohnhaften Expats entgegen zu kommen.
Bei dieser Umfrage interessierte mich vorallem, wie die Mieter den Nutzen der bestehenden Whatsapp-Gruppe einschätzen. Ausserdem wollte ich herausfinden, ob ein Bedürfnis besteht, noch einen Schritt weiter zu gehen. Ob ein Interesse an einer App bestünde, habe ich jedoch noch nicht explizit erfragt.
Ergebnisse/Erkenntnisse:
Interview-Partnerin: Sandra B.
Kontext: Sandra arbeitet bei Regimo Zürich AG und ist dort u.a. für die Regimo App Zürich zuständig.
Datum: 20. April 2022
Art: Remote via MS Teams
Durch dieses Interview wollte ich Insights von Seite der Liegenschaftsverwaltung erhalten. Ich wollte erfahren, ob für ein gutes Verhältnis unter den Mietenden innerhalb einer Liegenschaft für sie überhaupt von Interesse ist. Ausserdem war ich natürlich gespannt darauf, einen Einblick in die Regimo App zu erhalten.
Erkenntnisse:
Mithilfe der Erkenntnissen aus der Research konnte ich mir ein gutes Bild davon machen, wer zur Zielgruppe der geplanten App gehören könnte.
Die unten definierte Person steht stellvertretend exemplarisch für diese Zielgruppe.
Mia ist 42-jährig. Sie wohnt zusammen mit ihrem Mann und der 5-jährigen Tochter in einer 4.5-Zimmer-Mietwohnung in Zürich Oerlikon in einer Überbauung mit 300 Mietobjekten. Neben ihrer Rolle als Mutter arbeitet sie im 60%-Pensum als Produktmanagerin.
Attribute:
– Gesellig
– Offen
– Kommunikativ
– Sozial, empathisch, hilfsbereit
– Technische Affinität: Mittel
Kontext:
Mia ist mit der Familie vor kurzem aus Bern nach Zürich zugezogen.
In Bern lebten sie in einer kleinen Liegenschaft und hatten zu vielen ihren Nachbarn Kontakt.
Pains:
Mia kennt in Zürich niemanden. Es ist ihr hier bisher zu anonym in der Nachbarschaft.
Ferner stört sie, dass es mittlerweile zu viele verschiedene Messenger Apps gibt, auf denen die Leute aktiv sind. Dies macht es schwierig Gruppen zu bilden.
Ziel:
Mia wünscht sich mehr Kontakt zur Nachbarschaft und möchte gerne ihren Beitrag leisten, um diese mehr zu beleben. Sie würde sich gerne mit Gleichgesinnten aus der Nachbarschaft vernetzen und auch kleinere Events mitorganisieren
Um mir eine Übersicht über meine eigenen Ideen von möglichen Features zu machen, habe ich meine Gedanken auf diese Weise zu Papier gebracht.
Mit der Kreativtechnik «Crazy 8» habe ich in kürzester Zeit einige Ideen bzw. Ansätze für mögliche Funktionen der geplanten App aufskizziert.
Diese Methode funktioniert so, dass man zuerst 8 Felder zeichnet und diese dann während je einer Minute mit Ideen füllt. «Der Zeitdruck, der begrenzte Platz und die Anforderung zu skizzieren statt zu schreiben, zwingt einem bildlich zu denken und sich aufs Wesentliche einer Idee zu konzentrieren.» (deep-impact.ch)
Basierend auf den User Stories habe ich für die wichtigsten Aktionen die entsprechenden Wireframes aufskizziert, um mir ein Bild zu machen, wie viele Screens in etwa benötigt und welche Bedienungselemente verwendet werden könnten.
Die App soll für den MVP folgende Funktionalitäten erhalten:
Benutzerprofil:
Home:
Gruppen:
Events:
Chat:
Um den LoFi-Prototyp zu testen, habe ich moderierte sowie unmoderierte Usability Tests durchgeführt und meine Erkenntnisse daraus direkt mit der Kommentar Funktion auf den entsprechenden Screens notiert.
Die moderierten Tests haben den qualitativen Vorteil, dass ich die Anwender:innen live beobachten kann. Weil diese von mir ermutigt werden, laut zu denken, bekomme ich auch wichtige subtile Details mit, wie zum Beispiel eine falsche Annahme oder ein Zögern, was beim Resultat eines unmoderierten Tests schwer bis gar nicht nachvollziehbar ist. Doch auch die unmoderierten Tests mit dem Tool «Maze» ergaben aufschlussreiche Hinweise, wo noch nachgebessert werden muss. Hier liegt der Vorteil in der Quantität. Sobald das Setup steht, kann ich in kurzer Zeit viele Tests durchführen und bekomme übersichtliche Auswertungen.
Farbe
Typographie
Iconographie
Bildwelt
– Bildquellen in der App: Unsplash.com
– Icons: Feather Icons Library
– Illustrationen: undraw.io
– Fabian Scheiwiler fürs Mentorat
– Sandra Burch für die vielen Auskünfte und das Interview
– Alle Teilnehmer bei den Umfragen und Usability Tests
– Meine Frau, für den riesigen Support während dieser stressigen Zeit und den gesamten 3 Jahren!!!